KOMPASS: Was ist das und wer hat Anspruch?
KOMPASS (Kompakte Hilfe für Solo-Selbstständige) ist ein Förderprogramm aus dem ESF Plus (BMAS), das bis zu 4.500 Euro Weiterbildungskosten erstattet, und zwar rund 90 Prozent. Die Erstattung läuft über die DRV Knappschaft-Bahn-See. Anspruch hat, wer hauptberuflich solo-selbstständig ist, also ohne eigene Angestellte arbeitet, und eine anerkannte Weiterbildung machen möchte. KOMPASS läuft weiter. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit nur die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt (Kontingentierung), damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden. Erstberatungen werden weiterhin angeboten und Qualifizierungsschecks werden weiterhin ausgegeben.
Wer jetzt eine KI-Weiterbildung plant, sollte den Programmstatus kennen und parallel Alternativen im Blick behalten. In diesem Artikel geht es um die Grundlagen: Was KOMPASS ist, wer tatsächlich Anspruch hat, und welche Punkte du vor dem Antrag geklärt haben musst.
KOMPASS im Überblick
KOMPASS steht für „Kompetenzentwicklung und Passgenaue Stärkung für Selbstständige” und ist ein Programm der Bundesagentur für Arbeit. Gefördert werden Beratungen und Weiterbildungen, die die wirtschaftliche Stabilität von Solo-Selbstständigen sichern. Rechtlich ist KOMPASS kein Anspruch nach SGB III, sondern eine freiwillige Förderung aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung, flankiert durch ESF-Plus-Mittel der EU.
Zwei Bestandteile umfasst das Programm: Eine kostenfreie Erstberatung über eine anerkannte Anlaufstelle und die anschließende Qualifizierungsförderung von bis zu 4.500 Euro. Genau der zweite Baustein ist für KI-Weiterbildungen relevant.
Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass viele Solo-Selbstständige KOMPASS erst dann entdecken, wenn sie bereits Alternativen wie den Bildungsgutschein durchgeprüft haben. Solo-Selbstständige stehen zwischen den Förderlogiken: Sie bekommen in der Regel keinen Bildungsgutschein (der ist für Arbeitssuchende), und sie haben keinen Arbeitgeber, der QCG beantragen könnte. KOMPASS schließt diese Lücke.
Wer Anspruch auf KOMPASS hat
Anspruchsberechtigt sind Personen, die alle folgenden Punkte erfüllen:
- Hauptberufliche Solo-Selbstständigkeit. Das Unternehmen hat keine eigenen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Minijobber zählen in der Regel nicht, aber lass dir das im Einzelfall bestätigen.
- Mindestens drei Jahre Selbstständigkeit zum Zeitpunkt der Antragstellung (in einigen Programmzeiträumen waren es zwei Jahre, der aktuelle Programmtext ist maßgeblich).
- Sitz oder Wohnsitz in Deutschland.
- Kein Anspruch auf andere Fördertöpfe. Wer parallel Bildungsgutschein oder QCG nutzen kann, fällt nicht in die Zielgruppe.
- Die Weiterbildung dient nachweislich der wirtschaftlichen Stabilität deiner Selbstständigkeit.
Freiberufler nach § 18 EStG sind grundsätzlich anspruchsberechtigt, ebenso Gewerbetreibende und Soloselbstständige aus Kreativberufen, IT-Dienstleister, Handwerker ohne Beschäftigte, Berater und Coaches. Wer nebenberuflich selbstständig ist und einen Hauptjob hat, fällt heraus.
In der Praxis zeigt sich, dass die wichtigste Voraussetzung oft die Abgrenzung zum Nebenerwerb ist. Wenn du hauptsächlich über einen Angestelltenjob lebst, ist KOMPASS nicht dein Weg.
Warum das Programm aktuell für KI-Weiterbildungen relevant ist
Die Fördersumme von 4.500 Euro reicht aus, um den Eigenanteil für zertifizierte KI-Weiterbildungen komplett zu decken oder zu halbieren. Die Erstattung von 90 Prozent bedeutet, du trägst nur 10 Prozent selbst, das sind bei 5.000 Euro Weiterbildungskosten genau 500 Euro Eigenanteil. Und der EU AI Act verpflichtet seit Februar 2025 auch Solo-Selbstständige, die KI-Tools im Geschäftsbetrieb einsetzen, zur KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-VO. Wer hier lückenhaft aufgestellt ist, riskiert Haftungsfragen und verliert bei Ausschreibungen gegen besser qualifizierte Konkurrenz.
Parallel zeigt der Bitkom-Studien-Bereich, dass 86 Prozent der kleinen Unternehmen den Bedarf sehen, aber nur ein Bruchteil umgesetzt hat. Solo-Selbstständige haben hier einen Geschwindigkeitsvorteil, weil sie keine Abstimmungen mit Teams brauchen. Ein gezieltes Training schlägt sich in drei bis sechs Monaten in Umsatz nieder, wenn die richtigen Tools eingeführt werden.
Was aktuell bei den Qualifizierungsschecks gilt
Für das KOMPASS-Programm ist von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 bundesweit die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt (Kontingentierung). Der Grund: Die vorliegenden Anträge sollen schneller bearbeitet werden. KOMPASS läuft in dieser Zeit ganz normal weiter, Erstberatungen werden angeboten und Qualifizierungsschecks werden weiterhin ausgegeben.
Was das konkret bedeutet: Erstberatung buchen und Antrag stellen ist weiterhin möglich. Wegen der begrenzten Kontingente ist eine zeitnahe Ausstellung eines Qualifizierungsschecks in diesem Zeitraum aber nicht in allen Fällen garantiert. Plane deshalb etwas mehr Vorlauf ein und prüfe den aktuellen Stand direkt bei einer KOMPASS-Anlaufstelle oder auf kompass-foerderung.de.
Wer sofort starten will, ohne auf den Qualifizierungsscheck zu warten, hat zusätzliche Optionen: Ratenzahlung direkt mit dem Bildungsträger, steuerliche Absetzbarkeit der Kurskosten als Betriebsausgabe nach § 4 Absatz 4 EStG oder Stiftungsförderung für bestimmte Zielgruppen.
Welche Weiterbildungen über KOMPASS gefördert werden
Förderfähig sind grundsätzlich Kurse, die wirtschaftlich verwertbar sind, von einer anerkannten Bildungseinrichtung angeboten werden und eine überprüfbare Struktur haben. In der Praxis heißt das meistens: AZAV-zertifizierte Träger nach § 176 ff. SGB III, Hochschulzertifikate, IHK-Lehrgänge oder Zertifikate von Herstellern wie Microsoft oder Google.
Typische geförderte Bereiche für Solo-Selbstständige:
- KI und Digitalisierung: Prompt Engineering, Prozessautomatisierung, KI-Tool-Nutzung
- Marketing und Vertrieb: SEO, Social Media, CRM-Systeme
- Betriebswirtschaft: Steuern, Buchhaltung, Finanzplanung
- Branchenspezifisches: je nach Selbstständigkeit
Vor Antragstellung muss die Passung zur Selbstständigkeit begründet werden. „Ich will KI lernen, weil es spannend ist” reicht nicht. „Ich setze ab Q3 ein KI-gestütztes Angebots-Management ein und brauche die Qualifizierung dafür” ist ein tragfähiges Argument.
Was KOMPASS am Ende wirklich kostet
Die Rechnung ist einfach. Bei einem Kurs mit 5.000 Euro Gesamtkosten zahlt KOMPASS 90 Prozent der förderfähigen Kosten, gedeckelt auf 4.500 Euro. Dein Eigenanteil ist entweder 10 Prozent oder der Betrag oberhalb von 5.000 Euro, je nachdem was zutrifft. Bei einer viermonatigen Weiterbildung mit 720 Unterrichtseinheiten und 9.662,40 Euro Gesamtkosten zahlt KOMPASS die maximalen 4.500 Euro, dein Eigenanteil wäre 5.200 Euro, entweder über Ratenzahlung oder als Betriebsausgabe absetzbar.
KOMPASS ist eine Ermessensleistung, kein Rechtsanspruch. Das bedeutet: Auch wer alle Voraussetzungen erfüllt, hat keinen einklagbaren Anspruch auf einen Qualifizierungsscheck. Gerade in der Phase begrenzter Kontingente von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist eine zeitnahe Ausstellung nicht in allen Fällen garantiert. Die Erstattung selbst läuft anschließend über die DRV Knappschaft-Bahn-See.
Häufige Fragen zu KOMPASS-Grundlagen
Bekomme ich KOMPASS auch, wenn ich erst ein Jahr selbstständig bin?
Nein. Die Drei-Jahres-Regel ist zentral. Das Programm will etablierte Selbstständige stützen, nicht Existenzgründer. Für Gründer gibt es andere Töpfe wie KfW-Gründungszuschuss oder AVGS-Coaching.
Zählen Minijobber als Beschäftigte?
Das hängt vom Einzelfall ab. In der Regel sind geringfügig Beschäftigte kein Ausschlussgrund, aber die zuständige KOMPASS-Anlaufstelle entscheidet das final. Lass dich vor dem Antrag dazu beraten.
Kann ich KOMPASS mit dem Gründungszuschuss kombinieren?
Nein. Wer noch im Gründungszuschuss ist, gilt nicht als etablierte Selbstständige im Sinne von KOMPASS. Die Drei-Jahres-Regel trennt die beiden Programme sauber.
Was passiert, wenn gerade kein Qualifizierungsscheck verfügbar ist?
KOMPASS läuft weiter. Wegen der begrenzten Kontingente von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 kann es aber sein, dass nicht sofort ein Qualifizierungsscheck ausgestellt wird. Dann buchst du die Erstberatung, hältst deinen Antrag bereit und prüfst regelmäßig den aktuellen Stand auf kompass-foerderung.de. Alternativ helfen Ratenzahlung oder die steuerliche Absetzbarkeit als Betriebsausgabe, bis der Scheck da ist.
Muss die Weiterbildung zu 100 Prozent online sein?
Nein. KOMPASS akzeptiert Präsenz, Online und Blended Learning. Entscheidend ist die Passung zur Selbstständigkeit, nicht das Format.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Als promovierter Naturwissenschaftler und Unternehmer begleitet er seit über zehn Jahren Solo-Selbstständige und Unternehmen bei geförderten Weiterbildungen. Mehr zum Autor auf /über-den-autor/.
Zuletzt geprüft am 13.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Förderberatung. Für eine verbindliche Auskunft zum aktuellen Programmstatus wende dich an die zuständige KOMPASS-Anlaufstelle der Bundesagentur für Arbeit.
Willst du wissen, welcher Förderweg zu deiner Situation passt?
Der Förder-Rechner fragt in fünf Schritten dein Profil ab und zeigt dir den passenden Weg. Oder du sprichst direkt mit Jens, zehn Minuten reichen für eine erste Einschätzung.
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